Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas Korschenbroich e.V.

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Erbauer:    1953 Johannes Klais, Bonn

Umbauten & Renovierungen: 
1970 / 1977 / 1984 Fischer & Krämer, Endingen  
2000
Romanus Seifert & Sohn, Kevelaer  
2006 / 2010 Martin Scholz, Mönchengladbach

Manualumfang: 56 Töne
Pedalumfang: 30 Töne
Trakturen: elektronisch (Manualwerke Schleiflade, Pedalwerk Kegellade)
Spielhilfen: 768 Setzerkombinationen; Setzer-Sequenzer als Fußtritt und manuell für Spieler und Registrant
Äqualabschaltungen der Sub- und Superoktavkoppeln für HW / SW / General als Fußtritt

Foto: Olaf D. Hennig

Schwellwerk
 (Manual IV)

Unterwerk
(Manual III)

Hauptwerk
(Manual II)

Rückpositiv
(Manual I)

Pedalwerk

1 Gedeckt 16’

19 Gedeckt 8’

32 Gedeckt 16’

52 Konzertflöte 8’

65 Kontrabass 32’  (vakant)

2 Geigenprinzipal 8’

20 Viola 8’ 

33 Prinzipal 8’

53 Rohrflöte 4’

66 Prinzipalbass 16’

3 Orchesterflöte 8’

21 Prinzipal 4’

34 Rohrflöte 8’

54 Quinte 2 2/3’

67 Subbass 16’

4 Gambe 8’

22 Spitzflöte 4’

35 Oktave 4’

55 Piccolo 2’

68 Quintbass 10 2/3’

5 Schwebung 8’

23 Oktave 2’

36 Hohlflöte 4’

56 Terz 1 3/5’

69 Oktavbass 8’

6 Prinzipal 4’

24 Quintflöte 1 1/3’

37 Quinte 2 2/3’

57 Zimbel III 1’

70 Gedecktbass 8’

7 Traversflöte 4’

25 Oktävlein 1’

38 Superoktave 2’

58 Krummhorn 8’

71 Cellobass 8’  (vacant)

8 Querflöte 2’

26 Scharff  III 2/3’

39 Kornett IV 4’

59 Tremulant

72 Choralbass 4’  (vakant)

9 Kornettquinte II

27 Krummhorn 8’ (vakant)

40 Mixtur IV 4’

60 Manualkoppel III an I

73 Trompete 4’  (vakant)

10 Mixtur IV  1 1/3’

28 Manualkoppel I an III

41 Trompete 8’

61 Manualkoppel IV an I

74 Trompete 8’  (vakant)

11 Trompete 4’

29 Manualkoppel IV an III

42 Horizontaltrompete 8’

62 Manualkoppel Sub III an I

75  Posaune 16’

12 Klarinette 8’ 

30 Manualkoppel Sub III

43 Tuba 16’  (vakant)

63 Manualkoppel Sub IV an I

76  Kontraposaune 32’

13 Oboe 8’

31 Manualkoppel Sub IV an III

44 Manualkoppel I an II

64 Zimbelstern

77 Pedalkoppel I an Ped

14 Solotrompete 8’

 

45 Manualkoppel III an II

 

78 Pedalkoppel II an Ped

15 Fagott 16’

 

46 Manualkoppel IV an II

 

79 Pedalkoppel III an Ped

16 Tremulant

 

47 Manualkoppel Super II

 

80 Pedalkoppel IV an Ped

17 Manualkoppel Sup. IV

 

48 Manualkoppel Sub II

 

81 Pedalkoppel Super IV an Ped

18 Manualkoppel Sub IV

 

49 Manualkoppel Sub III an II

 

 

   

50 Manualkoppel Super IV an II

   
   

51 Manualkoppel Sub IV an II

   

Henning Dembski
Foto: Olaf D. Hennig

Prospekt (heutige Ansicht)
Foto: Olaf D. Hennig

Geschichte der Orgeln an St. Andreas Korschenbroich
von Henning Dembski

Über die ersten Orgeln der Katholischen Pfarrkirche St. Andreas zu Korschenbroich ist wenig bekannt. Erwähnt wird (vgl. Bremer, S. 452f.) lediglich die Entfernung der Orgel aus dem Chorraum der Kirche im Jahre 1645, sowie die Errichtung einer Orgel im Jahre 1783. In den ältesten, im Diözesanarchiv in Aachen erhaltenen Pfarrakten ist seit dem Jahre 1827 kontinuierlich in den Kirchenhaushalten eine Ausgabeposition für einen Organisten, in der Folge (ab 1857) auch für einen Balgtreter vermerkt. 1843 baute der Orgelbauer Rudolf Ibach aus Wuppertal-Barmen ein Instrument mit 26 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Eine Rechnung aus dem Jahre 1849 vermerkt eine "Orgelrevision", weitere Belege dokumentieren die regelmäßigen jährlichen „Inspektionen“ des Orgelbauers vor Ort.

1890 fiel diese Orgel dem Abbruch der alten Kirche zum Opfer. Für den Bau einer neuen Orgel erhielt im August 1892 gemäß Beschluss des Kirchenvorstandes der Orgelbauer Heinrich Dautzenberg aus Linnich den Zuschlag. Der Preis für diese Orgel betrug 4610 Mark. Im Dezember 1900 reichte Dautzenberg ein Angebot ein für eine dringend notwendige, gründliche Reinigung der Orgel und eine Regulierung ihrer Mechanik.

Ebenso wie die Glocken der St. Andreas-Kirche blieb auch die Orgel nicht verschont von den Beeinträchtigungen des Krieges. Laut Protokoll der Kirchenvorstandssitzung vom 24. Juni 1917 wurden neben den beiden größten Glocken auch 93 Orgelpfeifen beschlagnahmt. Es muss sich dabei um Orgelpfeifen aus Zinn gehandelt haben, denn nur solche konnten - wie die Bronzeglocken - zum Guss von militärischem Gerät verwendet werden.

Am 18. Februar 1929 wurde gemäß der Pfarrchronik von Pfr. Otto mit dem Abbau der Orgel und dem Abbruch der Orgelbühne begonnen. Der Korschenbroicher Bauunternehmer Kirchkamp wurde mit dem Bau einer neuen, größeren Orgelbühne beauftragt. Die entsprechenden Pläne dazu stammten von dem Düsseldorfer Architekten Dr. Paul Sültenfuhs. Gleichzeitig wurde der Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn mit dem Neubau einer Orgel beauftragt. Diese Orgel, die schon im Juni desselben Jahres feierlich eingeweiht wurde, erhielt einen Freipfeifenprospekt, elektropneumatische Kegelladen, sowie 32 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Die Kosten für diese Orgel betrugen 32060 Mark.

Nur 14 Jahre später, im August 1943, wurde sie bei einem Bombenangriff zusammen mit dem Kirchenschiff vollständig zerstört.

Das erste Instrument der 1949 wiederhergestellten Kirche schuf im Jahre 1953 ebenfalls Johannes Klais aus Bonn. Auch diese Orgel erhielt einen Freipfeifenprospekt und elektropneumatische Kegelladen, jedoch 33 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. 1970 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Fischer & Krämer aus Endingen mittels gebrauchter Register umdisponiert. Schon drei Jahre später musste die Orgel im Zuge der Kirchenrenovierung ausgelagert werden. Bei dieser Gelegenheit entschied man sich, die bereits verschlissene elektropneumatische Trakturanlage der Manualwerke nicht wieder zu verwenden und beauftragte 1976 die Orgelbaufirma Fischer & Krämer mit dem Umbau der technischen Anlage. Während das Pedal elektropneumatische Trakturen behielt und noch um die Hälfte der alten elektropneumatischen Positivwindlade erweitert wurde, versah man die Manualwerke mit zum Teil gebrauchten mechanischen Windladen bei weiterhin elektropneumatischer Registertraktur. Den notwendigen neuen mechanisch-elektrischen dreimanualigen Spieltisch erwarb man gebraucht aus Süddeutschland. Positiv und Hauptwerk erhielten ein im Prospekt sichtbares Gehäuse, so dass anstelle des ursprünglichen, nach architektonischen Gesichtspunkten entworfenen Freipfeifenprospekts eine sichtbare Werkgliederung trat. 1977 baute Fischer & Krämer die Orgel unter Hinzufügung weiterer gebrauchter Register in der renovierten St.-Andreas-Kirche auf. Das Instrument besaß zu diesem Zeitpunkt 44 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. 1984 wurde die Orgel ebenfalls durch Fischer & Krämer um ein Rückpositiv ergänzt. Da das Instrument nun vier Manualwerke besaß, der Spieltisch aber nur dreimanualig angelegt war, erhielt das Rückpositiv eine vollständig elektrische Trakturanlage, die eine Koppelfunktion sowohl an das Haupt- als auch an das Schwellwerk ermöglichte. Bis zum Jahr 1999 erfolgten noch einige kleinere Umbauten, wie der Austausch der Freien Kombinationen durch eine Setzeranlage und der Einbau einiger zunächst vakanter Register.

Im Jahre 2000 erfolgte eine Generalrenovierung und - in gewissem Umfang - ein Umbau der Orgel. Ziel dabei war es, die vorhandene klangliche Substanz zu sichern, die Orgel von Dispositionsfehlern zu bereinigen und geringfügig auszubauen, die technische Anlage im Sinne eines einheitlichen Laden- und Traktursystems zu erneuern, sowie die innere Organisation der Orgel in einen der heutigen Orgelästhetik entsprechenden Rahmen zu bringen. Nach reiflicher Überlegung wurde die renommierte Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer beauftragt, folgende Arbeiten auszuführen: Neuanfertigung eines viermanualigen Spieltischs, Elektrifizierung der Trakturen, Einbau einer zweiten Schwellwerkslade und eines neuen Schwellwerkgehäuses, farbliche Neugestaltung des Prospekts mit Lackierung der Zinkprospektpfeifen, Dispositionsänderungen, Generalreinigung und Intonation. Aus finanziellen Gründen können einige noch erforderliche Maßnahmen wie der Einbau neuer Schleifladen für das Pedalwerk und die Ergänzung noch vakanter Register erst zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.

Im Laufe der Zeit hat sich rund um die St.-Andreas-Orgel, die mit ihren heute 55 Registern* zu den größten symphonischen Instrumenten des Rheinlands zählt, eine Orgelszene von internationalem Rang etabliert. Neben Konzerten und Meisterkursen findet jährlich die Internationale Orgelwoche und im Zweijahresrhythmus der Internationale Orgelwettbewerb statt. Der von Kantor Franz-Josef Franzen (1927-1997) initiierte "Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas, Korschenbroich, e. V." bringt jedes Jahr bedeutende Organisten aus aller Welt als Interpreten, Dozenten und Juroren nach Korschenbroich.

*mit eingerechnet sind die eingeplanten Register